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Regio-Bus statt Auto



Projektgruppe drängt auf Neuausrichtung des ÖPNV in der Region Teltow


Die Einwohnerzahl in der Boomregion Teltow wird bis zum Jahr 2030 noch einmal um etwa 25 Prozent steigen, sagen die Prognosen. Schon jetzt leben hier 55 000 Menschen, hat die Region mit die höchste Autodichte der Bundesrepublik. Die Angebote im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) haben mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Eine Projektgruppe aus Verkehrsexperten der Kommunen Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf fordert deshalb eine grundlegende Überarbeitung des hiesigen ÖPNV-Angebots. Was fehlt, so der Befund, ist ein abgestimmtes Konzept für die ganze Region.
Im Frühjahr will die Projektgruppe um Detlef Fanter (Lokale Agenda Teltow), Jens Klocksin (Kleinmachnower SPD-Landtagsabgeordneter), Martin Heiland (AG Verkehrskonzepte Stahnsdorf) und Michael Lippoldt (Lokale Agenda Kleinmachnow) alle Entscheidungsträger zu einer Buskonferenz an einen Tisch holen. Im Dialog mit Kommunen, Landkreis und Verkehrsunternehmen soll danach eine neue Konzeption erarbeitet werden, „in deren Mittelpunkt endlich der Fahrgast steht“, sagte Lippoldt gestern bei einem Pressegespräch.
Großes Ziel: Mit guten ÖPNV-Angeboten die Menschen bewegen, das Auto stehen zu lassen und stattdessen in den Bus zu steigen. Dabei sollen vor allem zwei Gruppen stärker als bisher in den Fokus rücken: Die Berufspendler und die Schüler. Die Projektgruppe sieht eine Prämisse für die Neuausrichtung des Angebots darin, die Buslinien klarer nach den Pendler- und Schülerströmen auszurichten. Busse sollen verstärkt die S-Bahnhöfe Berlin-Zehlendorf, Mexikoplatz, Wannsee, Teltow-Stadt, außerdem die U-Bahnhöfe Krumme Lanke und Oskar-Helene-Heim sowie die Regionalbahnhöfe Potsdam-Hauptbahnhof, Griebnitzsee, Wannsee und Teltow bedienen. Und zwar so, dass die Fahrgäste dort auch ihre Anschlusszüge bekommen.
Zudem sollen Regionalbuslinien die drei Kommunen verbinden – in Anlehnung an den City-Bus, der bisher nur in Teltow fährt. Dringend ausgebaut werden müssten auch die Bus-Angebote am Wochenende und in den Abend- und Nachtstunden, so der Befund der Projektgruppe. Deren Akteure sehen inzwischen auch die drei Kommunen auf dieser Linie. „Es gibt bei uns fast niemanden mehr, der etwas zu sagen hat, der den City-Regio-Bus nicht haben will“, so Heiland.
Die Projektgruppe regt an, zur nächsten Sitzung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Der Teltow“ (KAT) einen Grundsatzbeschluss der drei Kommunen herbeizuführen. In dem Beschluss sollen sie sich zur Erarbeitung eines abgestimmten ÖPNV-Konzeptes und zur Schaffung einer Regio-Bus-Linie bekennen.
Vorarbeiten dafür sind bereits geleistet und die Probleme sind auch bekannt. „Schon das vorhandene Angebot könnte deutlich verbessert werden“, sagte Fanter. Als Beispiel nennt er die Busverbindungen von Teltow nach Ruhlsdorf über die Iserstraße. Wochentags sei das Angebot überdimensioniert, fahren drei Buslinien hintereinander, am Wochenende aber fährt dort gar nichts mehr, kritisiert er.
Ein Beispiel für fehlende Abstimmung mit dem Bahnverkehr: Der Bus der Linie 629 fährt ab Berlin Mexikoplatz in Richtung Teltow zur Minute 03, obwohl die aus Berlin-Mitte einfahrenden Züge den S-Bahnhof erst eine Minute später erreichen. Wartezeiten bis zu 19 Minuten machen die Verbindung unattraktiver, so Fanter. Und der Bus der Linie 601 in Richtung Potsdam sei morgens 6.58 Uhr so voll, dass es für Fahrgäste „teilweise unzumutbar ist“. Von Schuldzuweisungen hält Fanter allerdings nichts. „Die Optimierung des ÖPNV-Angebots ist ein sehr weites Feld. Es gibt noch viel zu tun.“

(Von Jens Steglich)
MAZ, 7.2.2009



Unfreiwillige Chauffeure

Ulrich Wangemann über den Ruf nach einem übergreifenden Nahverkehrskonzept



Der Ruf nach Konzepten klingt immer etwas schlaumeierisch, weil er allen vorhandenen Akteuren Egoismus und Beschränktheit unterstellt. Geht es um den öffentlichen Nahverkehr, hat er seine Berechtigung. Ein übergreifender Ansatz, wie ihn die Projektgruppe um den Teltower Verkehrsexperten Detlef Fanter fordert, ist dringend notwendig, schaut man sich das Angebot an Buslinien in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf an.
Hunderte Eltern spielen abends oder an Wochenenden den Chauffeur bis nach Berlin oder zur S-Bahn, weil sich ihre Kinder angesichts der ausgedünnten Fahrpläne an den Haltestellen die Beine in den Bauch stehen würden. Oft stimmen die Anschlüsse nicht. Dabei gibt es viele interessante Ansätze in der Region, die mittlerweile fast 55 000 Einwohner zählt. Doch sie sind Stückwerk, die Enden kommen nicht zusammen. So fahren etwa nach Berlin Krumme Lanke sowohl die BVG als auch Havelbus mit unterschiedlichen Linien.
Warum es eines Konzeptes bedarf, erklärt auch der Blick aufs Geld: Jede Gemeinde neigt dazu, ihr eigenes Süppchen zu kochen, da sie die Linien bestellt und bezahlt. Diesen Mechanismus gilt es zu durchbrechen. Wenn eine Großkonferenz dazu beiträgt – bitteschön.
MAZ, 7.2.2009

Eine S-Bahn-Konferenz ist in Planung Agenda fordert den Regiobus